Der Tag, als wir begannen die Wahrheit zu sagen von Susan Juby





Preis:  09,50 €
Format:  Gebunden
Seitenanzahl:  352
Genre:  Roman
Reihe:  -
Verlag:  CBJ
ISBN:  978-3-570-15998-9
Altersempfehlung:  12
Muss ich haben!


Ein Häppchen Wahrheit gefällig? Oder darf's doch ein bisschen mehr sein?
Das Leben ist nichts für Feiglinge...

… denken sich die drei Freunde Dusk, Neil und Normandy, zu Beginn des 11. Schuljahres und starten ein gewagtes Experiment: Einmal jede Woche wird abwechselnd einer der drei einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen.

Hasst die ewig grantige Sekretärin wirklich alle Schüler, ist der schöne Tyler jetzt schwul oder nicht, nimmt der Freak aus der 12. Drogen und hat die Coole aus dem Langlaufteam mit einem ihrer beiden Teamkollegen was oder gar mit beiden? Was die drei besten Freunde allerdings damit lostreten, hätten sie nie geahnt. Ein kluges Buch über Freundschaft, Liebe und die Frage, was wir mit uns und unserem Leben anfangen und, was das eigentlich alles zu bedeuten hat.

 "Unser Gehirn steckt Situationen und Personen in Schubladen, weil es zu anstrengend ist, die Dinge in der Schwebe zu lassen. Wir brauchen unsere Helden und Bösewichter. [...] Ein Durcheinander oder Grauzonen lösen psychisches Unbehagen aus."

 Das erste, das mich bei diesem Buch angesprochen hat war - wie soll es auch anders sein - das Cover. Ich mag diese Art von Cover, die Farben, den Aquarell Effekt. Auch der Klappentext klingt vielversprechend. Gesagt, gekauft, gelesen.

Mein erster Eindruck von dem Buch war befremdlich. Da am Anfang eines Kapitels jeweils das Datum steht, ging ich davon aus, dass es in Tagebuchform geschrieben ist. Komisch waren nur die Fußnoten. Vor allem die Tatsache, dass gleich auf der ersten Seite zwei ellenlange Fußnoten vorkommen. Für die zweite musste ich sogar um- und wieder zurückblättern! Vor lauter Ärger musste ich das Buch dann erst einmal zur Seite nehmen.

Doch ich dachte, dass ich mich mit der Zeit daran gewöhne. Weit gefehlt. Fußnoten, die mitten in einem Schachtelsatz versteckt sind, gehören da einfach nicht hin! Liest man den Satz erst zu Ende fehlt der Bezug zur Fußnote (der ohnehin oft gänzlich fehlt), unterbricht man seinen Satz aber für die Fußnote zugunsten des Zusammenhangs, so wird man aus dem Satz gerissen und muss ihn häufig von vorne lesen. Für mich waren die Anmerkungen einfach nur nervig und unangebracht. Niemand schreibt in einem Essay in die Fußnote, dass das Parfüm der neuen Lehrerin gut riecht? Mit der Zeit nehmen sie zwar ab, doch am Ende bringt es die Geschichte auf stolze, meist vollkommen sinnlose und nervtötende 114 Fußnoten! Hut ab!

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Protagonistin Normandy Pale. Im Gegensatz zu ihren beiden Freunden besitzt sie einen relativ rationalen Verstand. Sie weiß, wie weit man gehen darf, besitzt ein Gespür für die Privatsphäre anderer Menschen und versucht diese zu respektieren. Zu Beginn der Geschichte ist sie sehr zurückhaltend und stellt ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, doch im Laufe des Essay entwickelt sie sich weiter und lernt nicht nur auf andere einzugehen, sondern auf sich selbst. Sie erkennt, dass nicht nur offenkundige Wahrheit wichtig ist, sondern auch die Wahrheit, die man kennt, sich aber nicht eingesteht.

Ihre beiden Freunde Neil und Dusk (Oder sollte ich Dawn sagen? Sehr verwirrend) sind eher fanatisch veranlagt. Weltfremd stürzen sie sich in eine Sache, die ein paar Nummern zu groß für sie ist. Sie erstellen sich ihre eigenen Spielregeln und gehen ohne einen Blick nach rechts oder links darin auf. Natürlich dient das ganze einem großeren Zweck, logisch.

Die anderen Charaktere sind "Opfer" der Wahrheitskommission. Sie wurden mit Gerüchten konfrontiert und bekamen die Chance, sich dazu zu äußern, die Wahrheit kundzutun. An sich finde ich die Idee nett. Doch ich stelle mir unweigerlich die Frage, ob es in der Wirklichkeit auch so ablaufen würde? Würde mich jemand auf die tiefsten Abgründe ansprechen, die sich vor mir auftun? Ich würde mit keinem Dahergelaufenen, mit dem ich kaum etwas zu tun habe, darüber reden. Natürlich ist die Wahrheit wichtig, doch muss sie öffentlich ausgebreitet werden?

Überdies hinaus fand ich die Tatsache ein wenig kontrovers, dass die Wahrheitskommission alles nach außen kehrt, Norm aber ein Problem damit hat, zum Gespräch der Öffentlichkeit zu werden. Natürlich steckt hier einiges mehr dahinter, das ihr selbst lesen dürft, doch ein wenig eleganter hätte dies durchaus gelöst werden können.

Insgesamt wurde aus der Idee leider nicht alles rausgeholt. Richtig spannend und annähernd tiefgründig wurde es allerdings erst in den letzten 80 Seiten. Hier nahm die Geschichte noch einmal richtig Fahrt auf, riss das Ruder ein zwei Mal um und überraschte mich. Der Schluss lässt mich allerdings wieder ernüchtert zurück, da einiges einfach ungeklärt blieb.

Auch der Schreibstil war meiner Meinung nach nicht perfekt. Umgangssprachliche Passagen trafen willkürlich auf Fachvokabular. Mir kam es eher so vor, als wurde dieses alle paar Seiten wahllos eingeworfen, um der Geschichte ein wenig mehr Niveau zu verleihen. Insgesamt einfach zu unstimmig für meinen Geschmack. Außerdem war das Sprachlevel in keinster Weise adäquat für ein Essay.

Leicht nervig fand ich auch die Obsession der Protagonistin Neil gegenüber. Verwirrend wurde es dann im Mittelteil und am Ende löste sich alles zu simpel und schnell auf.

Im Großen und Ganzen bin ich mit vollkommen anderen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Die Grundidee hat viel Potential und die Botschaft, die die Autorin vermitteln möchte ist so viel größer, als es dieses Buch erahnen lässt. Vielleicht hat sich Susan Juby hier einfach mehr vorgenommen, als sie im Endeffekt vermitteln konnte. Die Umsetzung war bis zum Ende holprig. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die Protagonistin einen bemerkenswerten Wandel erlebt, und das Ende die Geschichte noch einmal in einem vollkommen anderen Licht erscheinen lässt.


Kommentare:

  1. Hallo Natascha,

    das Buch scheint ja allgemein nicht so gut anzukommen. Ich habe jetzt schon mehrere mittelmäßige Bewertungen zum buch gelesen. Sehr schade, denn das Klappentext spricht mich schon an. Aber diese ganzen Fußnoten würden mich wohl auch auf Dauer stören.
    Eine sehr schöne Rezension. Ich weiß jetzt, ich lasse lieber die Finger vom Buch ;-).

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Die Grundidee war wirklich toll, abgebrochen habe ich das Buch ja auch nicht.. Aber die Umsetzung war einfach noch nicht wirklich ausgereift und es blieben einige Fragen zurück. Schade eigentlich :)

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    2. Ja, wirklich schade wenn die Idee zwar gut ist aber nicht so ankommt. Aber man kann auch nicht jedes Buch mögen ;-).

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