Mein erster Poetry Slam :)

Nicht lange ists her, da habe ich euch in der Blogtour zu Back to Blur etwas über freie Literatur und den Poetry Slam als solchen erzählt. Am Sonntag war es dann endlich soweit, eine Freundin nahm mich mit zu meinem ersten Poetry Slam nach Erlangen.
Wie es mir gefallen hat und was ich erlebt habe, das möchte ich natürlich mit euch teilen :)




Zur Erinnerung was ein Poetry Slam eigentlich ist, habe ich hier noch einmal meine Definition für euch:
Bei einem Poetry Slam werden selbstgeschriebene Texte also einem Publikum vorgetragen und durch Gestik, Mimik oder Intonation ansprechend gestaltet. Dabei muss dich der Text nicht reimen, der Text muss lediglich sinnig sein, ansprechend und literarisch wertvoll. Doch was ist literarisch wertvoll und was ansprechend? Wo fängt welcher Sinngehalt an und wo endet das Verständnis des Publikums? Genau darin besteht im Endeffekt der Reiz beim Poetry Slam und auch bei der freien Poesie. Mit klaren Worten wollen wir bestimmte Gefühle mitteilen und wir erwarten auf diese eine ganz bestimmte Reaktion vom Publikum. Freie Poesie definiert sich also nicht durch die äußere Form, sondern die innere und den Sinngehalt. Eine natürliche Metrik findet man als Künstler von selbst wenn man seine eigenen Werke vorträgt.
Auf der Website des Slams finden wir diesen amüsanten Text:
Poetry Slam, das ist der frische Wind, der den Staub vom Image der Gegenwartsliteratur bläst. Poetry Slam ist live, Poetry Slam ist unberechenbar. Im Wettkampf um das stärkste Wort gilt nur die Meinung des Publikums. Mainstream und Provokation führen eine wilde Ehe. Form und Inhalt sind keine Begriffe aus dem Deutschunterricht, Form und Inhalt sind die Farben, mit denen der Slam Poet seine Welt beschreibt. Poetry Slam ist Punk und Poetry Slam ist CSU. Poetry Slam ist Aids und Vanille-Eis, E-Book und Keilschrift, Crossbike und Pilates.
Poetry Slam ist nicht Thomas Mann, Poetry Slam ist Crack.
Seit über zehn Jahren hat Erlangen seinen eigenen Poetry Slam. Jeden dritten Sonntag im Monat macht sich im E-Werk das gesprochene Wort auf die Jagd nach dem einen Moment. Wenn Sprache in Sekunden Welten umwirft, wenn Fassungslosigkeit sich zu Begeisterung wandelt, wenn sich atemloses Lauschen in Applaus entladen darf – dann ist Poetry Slam. 

 Aber nun genug Gedächtnis aufgefrischt, jetzt möchte ich mal etwas berichten! Um 19:00 war Einlass, um 20:00 sollte der Slam anfangen. Mit ein wenig Verzögerung hat es dann gleich angefangen. Der Moderator stellte das Format vor, kündigte die Künstler an, leitete zwischen den Beiträgen zum jeweils nächsten über und bezog das Publikum mit ein, was ich sehr toll fand.
Ein Zuschauer durfte nach jeweils drei Slammern Schiedsrichter spielen. Wer hatte mehr Applaus, wer darf ins Finale? Ein anderer Zuschauer sollte Sorge dafür tragen, dass das Zeitlimit von 7 Minuten  eingehalten wird. Es lief ein wenig anders ab, als ich erwartet hatte. Ich dachte, dass jeder Teilnehmer unmittelbar nach seinem Beitrag Feedback bekommt, stattdessen war es in Dreiergruppen gestaffelt. Neun Teilnehmer in der Gruppen aus denen je ein Teilnehmer ins Finale kommt. Drei Finalisten unter denen sich entscheidet, wer den Slam gewinnt.

Die Teilnehmer selbst waren breit gefächert. Eine Schülerin der elften Klasse, sowie gestandene Poetry Slammer standen auf der Bühne. Am Ende der Veranstaltung wurde noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass man sich beim Veranstalter per Mail melden könne, falls man bei einem der nächsten Slams teilnehmen wolle. Was sagt ihr? Wäre auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, oder? :)


Zu Beginn der Show kamen ein paar Lieder von Elias Hirschl die amüsanter nicht sein könnten. Eines seiner Lieder ging um Enten. Und der Text war einfach zu abstrus - das mag ich ja sehr gerne. Hier ein kleiner Auszug:
Außer der Krawatte trag ich nichts - wozu denn auch ist doch schon August!
 nach der Pause kamen dann auch noch ein paar Lieder. Eines davon nannte sich Café. Entgegen der Annahme, dass es sich hier um ein Lied handelt, dass sich um Cafés dreht kommt das Wort im Lied nicht ein einziges Mal vor. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall, ich denke bei so tollen Texten ist sicher für jeden etwas dabei. Eine kleine Auswahl findet ihr auf der Seite http://hirschl.bandcamp.com/.

Danach kamen dann wie gesagt die Kandidaten im Dreiertakt zu jeweils sieben Minuten. Manche sind mir mehr im Gedächtnis geblieben, andere weniger. Ich hatte zwar mein kleines Notizbuch und zwei Stifte dabei, aber nach der Hälfte habe ich schlichtweg vergessen mir Notizen zu machen :)

Aber eine Slammerin ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ihre beiden Texte waren einfach so echt und sympathisch. Ehrlich und kritisch und doch unheimlich komisch hat sie sich etwas alltägliches hergenommen und einen Text darüber geschrieben. Ich habe mir für euch ein Video ausgesucht, es ist leider nicht der Text, den sie vorgetragen hatte, aber den finde ich auch ganz gut :)


Bei dem nächsten Poetry Slam, der in meiner Nähe stattfindet, werde ich auf jeden Fall schauen, ob ich noch ein freies Plätzchen in meinem Kalender finde. Ich hatte unheimlich viel Spaß :)

Wart ihr auch schon auf einem Poetra Slam? Wenn ja, wie fandet ihr es, wart ihr auch so begeistert? :)


Kommentare:

  1. Ich war auch schon mal bei einem Poetry-Slam und bin davon total begeistert. Ich schaue mir seit dem ab und zu auf YouTube Poetry-Slammer/innen an (Hazel Brugger mag ich sehr) und möchte unbedingt noch auf mehr Petry-Slams gehen. Ich vergöttere sowieso auch Satire und alles, was zynisch-fies-provokativ geschrieben ist.

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    1. Der erste Poetry Slammer den ich gehört habe war Patrick Salmen mit Rostrotkupferbraunbronze. Einfach göttlich :D
      Aber ich werde mir mal Videos von Hazel Brugger ansehen, danke für den Tipp :)

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  2. Hey, ich muss gestehen, dass ich sicherlich seit 2009 bei keinem Portes Slam mehr besucht habe. Nachdem ich kurz davor meine Bachelorarbeit über das Thema geschrieben habe und deshalb auf jeden Slam in meiner Nähe gegangen bin, Interviews geführt habe etc., war für mich danach die Luft raus. Ich kann so einen Abend einfach nicht mehr genießen, weil ich immer den Analyseblick anwerfe, ob ich will oder nicht. Es ist zu schade! Aber irgendwann werde ich mich wieder dort hin wagen und hoffen, dass mich einfach die Texte bezaubern :)
    Liebe Grüße
    Mareike

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