Endometriose - Mein Schmerz hat einen Namen [OT]

Es ist ein Tabuthema, doch welche Frau kennt die folgende Situation nicht?
Je näher es Richtung Periode geht, desto unwohler fühlt man sich. Man bekommt ein leichtes Ziehen, gefolgt von stärkeren Krämpfen. Diese strahlen oft in den Rücken, oder die Beine aus und setzen uns dann oft mehrere Tage außer Gefecht. Um zu funktionieren greifen wir zu Schmerzmitteln.. Hat man sich dann doch überwunden, den Arzt darauf anzusprechen, so bekommt man in den meisten Fällen gesagt: "Sie sind eine Frau, es ist normal, dass Sie Schmerzen haben, da sind sie nicht die einzige! Nehmen Sie einfach die Pille!"
Doch wer hinterfragt das ganze System? Was, wenn die Schmerzen nicht durch die Pille gelindert werden? Wir leiden im Stillen weiter. Niemand sieht uns unsere Schmerzen an, denn schließlich sind Schmerzen normal, oder nicht? Das hat unser Arzt doch gesagt?
Ich möchte euch heute von meiner Geschichte erzählen, und euch auf ein Thema aufmerksam machen, von dem viel zu wenige Frauen wissen!



Schmerzen sind nicht normal!

Unser Schmerz hat einen Namen!


Myome

Endometriose

Adenomyose




Ich war 14, als ich das erste Mal unter sogenannter Dysmenorrhoe (der Fachbegriff für starke Regelbeschwerden) litt. Es hat mich in dem Alter natürlich Überwindung gekostet, einen Frauenarzt aufzusuchen. Mir wurde dann auch prompt gesagt, was mir fehlt: 
"Sie nehmen noch nicht die Pille? Na, daran wird es liegen!"
Als ich aber darauf bestand, dass die Schmerzen nach mehreren Monaten mit der Pille nicht nur immer noch da waren, sondern schlimmer wurden, habe ich eine noch amüsantere Antwort bekommen:
"Das kann nicht sein, das müssen Sie sich einbilden. Bestimmt haben Sie zu viel Stress in der Schule, oder suchen nach Aufmerksamkeit! Tränken Sie doch einfach einen Tampon in Joghurt, durch die Milchsäurebakterien kommt ihr Zyklus wieder in Gang!"
Komischerweise hatte ich noch nie Probleme mit meinem Zyklus. Ich habe das damals, da ich noch Jungfrau war auch nicht ausprobiert und bin nie wieder zu besagter Ärztin gegangen. Ich habe mich geschämt, davon zu erzählen, und mich zu keiner weiteren Ärztin getraut. Stattdessen habe ich mich mit Schmerzmitteln still gelegt.
Über die Zeit musste ich immer mehr Schmerzmittel nehmen, um zu funktionieren. Weiter in die Schule zu gehen. Als es so weit war, dass ich an ein bis zwei Tagen eine Packung Ibuprofen 400 genommen habe, wusste ich, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich habe mir eine neue Ärztin gesucht. Und das Ergebnis war niederschmetternd. Auch sie glaubte mir kein Wort:
"Nehmen Sie die Pille? WAS? Na das ändern wir, ich weiß da ein ganz tolles Präparat!"
"Das hat nicht geholfen? Dann wechseln wir doch einfach die Pille! Natürlich kann ich Ihnen kein Schmerzmittel verschreiben, Sie haben ja nichts!"
"Was die Pille hilft nicht? Dann nehmen Sie Mönchspfeffer dazu." 
"Ich denke, Sie brauchen einfach Aufmerksamkeit, ich schreibe Ihnen eine Überweisung zum Psychologen" 
Bei dieser Ärztin habe ich in etwa zehn verschiedene Pillen ausprobiert und meine Schmerzen nahmen immer mehr zu. Ich war mittlerweile 20 und konnte 3 Ibu 400 auf einmal nehmen aber vor Schmerz nicht aufstehen. Da ich es Leid war, immer das selbe zu hören - Ich habe nichts, keine Schmerzen und bisweilen sagte man mir sogar: Ich bilde mir das alles ein - habe ich beschlossen, meinen Hausarzt aufzusuchen, vielleicht lag das Problem nicht an etwas gynäkologischem, sondern an etwas ganz anderem?
Der Hausarzt fand nichts ungewöhnliches und überwies mich zum Internisten für eine Darmspiegelung. Aber weder hier noch dort war man der Meinung, dass ich Schmerzmittel benötigte. Obwohl es mittlerweile immer häufiger war, dass ich nachts von meinen eigenen Schreien wach wurde..

Mit 22/23 war es schließlich so schlimm, dass ich doch Schmerzmittel bekam. Mittlerweile konnte ich kaum noch in die Uni, oder vor die Tür. Novalgin 500, 50 ml hatte ich in weniger als einer Woche leer und zwischenzeitlich bekam ich sogar Morphin. Die Schmerzen waren nicht länger zyklusabhängig, sondern begleiteten mich nahezu jeden Tag. Das war der Punkt, an dem ich mich entschied, mich per Bauchspiegelung untersuchen zu lassen. Zwei Schnitte waren geplant, und es sollte eine Routine Untersuchung sein. Als ich aufgewacht bin, waren es vier Schnitte und der Operateur, der in mein Zimmer kam und mir sagte:
"Sie haben Endometriose. Wir konnten zunächst alle sichtbaren Herde entfernen. Sie müssen starke Schmerzen gelitten haben!"
Das war der Punkt, an dem ich endlich loslassen konnte. Mein Schmerz hat einen Namen, ich bin nicht verrückt. Ich habe Endometriose!
Seither leide ich unter den Folgen, dass es nicht früher ernst genommen wurde. Die Endometriose hat meine Gebärmutter befallen, was man Adenomyosis Uteri nennt. Da diese Krankheit so wenig erforscht ist, ist sie nicht vollends heilbar, man kann höchstens die Symptome lindern. Ich habe Leute kennen gelernt, die sich in einem Jahr bis zu zehn Mal operieren lassen mussten. Leute, die lebensnotwenidige Organe an diese Krankheit verloren haben. Und noch immer wird diese Krankheit nicht ernst genommen! Der Großteil der Bevolkerung weiß noch nicht einmal, dass es sie gibt! Auf meiner Suche nach einem neuen Frauenarzt, ist es mir sogar passiert, dass ich erklären musste, an was ich leide, da die Ärzte es nicht wussten oder kannten!


Endometriose kann jede Frau bekommen, aber auch bei Männern wurde es bereits nachgewiesen. Entgegen der allgemeinen Erklärungen im Internet, handelt es sich dabei nicht um verpsrengte Gebärmutterschleimhaut, sondern um mutierte Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut lediglich ähnlich sind. Das Gewebe reagiert empfindlich auf zyklusbedingte Hormonschwankungen und wurde daher lange Zeit als Gebärmutterschleimhaut deklariert. Doch auch bei Frauen, die ohne Gebärmutter geboren wurden, wurde bereits Endometriose nachgewiesen. Die Suche nach der Ursache geht also weiter.


Mit meinem Beitrag möchte ich auf diese Krankheit aufmerksam machen!
Ich möchte, dass die Leute sich informieren, und jeder Frau Mut zusprechen, auf ihren Körper zu hören, anstatt auf ihren Arzt!
Denn es ist nicht normal an Schmerzen zu leiden!
Handelt, bevor es zu spät ist!

Kommentare:

  1. Hallöchen!
    Sowas ist immer schlimm. Ich hoffe, dass es dir besser geht und finde es wirklich toll, dass du auch ein solches Thema einmal offen auf deinem.Blog ansprichst. Wie auch sonst soll man von sowas erfahren, wenn nicht einmal die Ärzte es kennen. Ich wünsche dir viel Kraft.

    Liebst, Lotta

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    1. Danke :)
      Seit der Diagnose habe ich leider festgestellt, dass kaum jemand die Krankheit kennt, und die meisten Frauen sich nicht einmal zum Arzt trauen, da uns immer und immer wieder gesagt wird, dass wir Schmerzen leiden müssen. Dass es normal ist.. Und so begegnen einem auch oft die Mitmenschen :(

      Ich hoffe, dass sich die ein oder andere Frau nach dem lesen an ihren Arzt wendet, wenn es ihr so geht wie mir. Dass sich das Wissen verbreitet und es öffentlich bekannter wird :)

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  2. Ganz toller Beitrag Liebes :*
    Daumen hoch dafür das du auch andere darauf aufmerksam machst und vor allem Mut zu sprichst :)

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    1. Danke :)
      Ich musste das einfach mal loswerden und darauf aufmerksam machen!

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  3. Hm, mit "nur" Pillen sollte man sich als Frau/Mensch nie von seinem Arzt abspeisen lassen.

    Denn es bekämpft nie die Ursache..

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    1. Da hast du wohl recht, aber was tut man sonst anderes? Wenn man überall gesagt bekommt, dass man fantasiert? Man ergreift selbst den dünnsten Halm, klammert sich an die Hoffnung auf Besserung. Mit jedem neuen Präparat. Man zweifelt an sich selbst und überlegt, ob man nicht wirklich verrückt wird. Solange man unwissend ist, ist es leider schwer, sich selbst zu helfen oder seinen Arzt auf gewisse Therapie Möglichkeiten anzusprechen. Selbst nach der Diagnose kaum möglich. . Man weiß, dass es falsch ist, dass man sich nur selbst schadet. Aber am Ende hätte ich alles gemacht, nur dass die schmerzen aufhören :/

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    2. Nun , ich denke mir....ab einem bestimmten Grad kann es doch gar nicht mehr schlimmer werden. Und was einem selber "schadet" ist doch alles relativ zu sehen.

      Kommt auch immer auf das seelische, gesellschaftlich usw. Umfeld an. Manche kippen bei Kleinigkeiten aus den Schuhen..andere hat nicht.

      Jeder ist für sich gesehen Einzigartig! Klar und auch die Verzweiflung spielt eine Rolle...

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    3. glaub mir, es KANN schlimmer werden. Das sind Schmerzen, die ich niemandem wünsche und die einen zur Verzweiflung treiben..
      Ich glaube, dass man die Verzweiflung auch nicht unbedingt nachvollziehen kann, wenn man nicht selbst betroffen ist :/

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  4. Das ist ja krass. Wie kann man als Arzt nur so verantwortungslos sein? Ich glaube manchmal, dass die wirklich Kranken unter dem Alltag leiden :-( Aber es ist gut, dass du die Initiative ergriffen und nicht nachgegeben hast!

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    1. Das traurigste an der sache ist, dass ich kein Einzelfall bin. Im Schnitt dauert es acht Jahre, bis es bei dieser Krankheit zu einer Diagnose kommt, und als betroffener leidet man stillschweigend bis zum Ende mit, da einem keine andere Wahl bleibt :/

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